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der kuss

weggehen fortgehen reden reden reden
spazieren heute gestern verwechseln
nachlaufen nachlaufen
abschuss ich will nicht mehr unter einem dach sein mit jemandem der

es ist mir erst in den letzten 24 stunden klar geworden

und man sieht keinen unterschied!

dann fliegt sie davon

stegholz gespuckt.

Wenn Wege sich trennen (für Gaby und Lukas)

Wie selbstverständlich leuchtet uns
das Licht den Weg
Und erst beim Stolpern merkt man
wie schwer es ohne geht.

Wenn alle Hoffnung mitgegeben
auf andern Pfaden leuchtend brennt
und alle Küsse Abschied streben
bleibt Angst vor dem, was man nicht kennt

So sehr vertraut schien doch der Pfad
und langsam immer weiter ziehend
dachte man, man ging gerad’
und plötzlich aus dem Unterholz die Abzweigung
gerad’ noch stolz
und froh und dann?
Allein.

Doch haben Pfade dieses Ding, sie kreuzen irgendwann.

Wir ziehen alle immer weiter
entfernen uns, nähern uns an
und freuen beim Abschied uns darauf
dass man sich bald begrüßen kann

Die Zeit zieht, nimmt das Leben mit
vermisst werd’t ihr auf jedem Schritt,
Und wenn wir nun beim Abschied stehen
freu ich mich auf das Wiedersehen.

Eichhörnchen

Ich sammelte die Zeit, die bleibt, wie ein Eichhörnchen, versteckte sie, als Sicherheit, für die Tage grau, die Nächte kalt. Die Momente gingen bald, von denen ich das halbe Jahr zehren muss, begehren muss, entbehren muss, zu denen ich blicken kann und sagen, dass alles gut ist, weil alles gut war. Und ich grabe und suche und dürste nach den Eindrücken die ich von dir hab. Und ich sehe, sie keimten, sie sind schöne Bäume, tragen Blüten und Früchte ins Grab. Und weit, weit zurück steht mein Leben bereit, bezogen zu werden, belogen zu werden von mir. Und steh ich eines Moments vor der Tür, und reiße sie auf, und hoffe dahinter die Früchte des Lebens zu sehn, steh ich an dem Abgrund, dem Ende Erinnerung und kann davon immer wieder gar nichts verstehn. Es war doch alles da und so gut hier versteckt, in Erinnerung sauber, tatsächlich verdreckt, ich suche die Sekunden, red' gar nicht von Stunden, bevor alles übersäht war von den Wunden der Zeit, und ich merk, ich wäre sofort gebunden, wärst du jetzt bereit. Ich schließe die Tür, an der ich riss, schmeiße ich sie zu, vergrabe die Zeiten und hoffe das Ruhe einkehrt. Und nächstes Mal, kommt nächstes Tal, ich komm dann nicht mehr zurück. Die Erinnerung bleibt als ein Stück von der Zeit, ihre Früchte vergiften das Land. Und während ich endlich, zum lieben bereit, fasse nach der nächstbesten Hand, vergesse ich langsam der Bäume Stand, geb auf die Schätze, lang vergraben, zieh mit dem Wind und lasse mich tragen von dem Wunsch noch ein bisschen mehr Zeit zu haben, mit dir, für den Weg. So fließe ich durch die Ewigkeit, schau, was ich erhasche, für des Herzens leere Tasche, öffne meine Arme weit.

Augenblick, hausieren verboten.

Mhm, ja, ist ein Zeitchen her,
da glaubt man gern: kommt gar nichts mehr.
Die Pausen sind nicht immer glücklich,
Warten-Lassen seltenst schicklich.
Einmal sorry gleich dafür,
doch in Gedanken war ich hier!
Hach, was bringt die alte Leier,
will ja noch Bücher schreiben heuer!
Ausreden! Wird ja immer toller.
Entschuldigen macht hier auch nichts voller.
Kann man überhaupt geloben,
dass hier immer Neues oben?
Was bringt ein Content-Schwur
per se denn nur?
fragt sich (die nicht sehr hochfrequente)
vielgeplagte Schreibe-Ente.
(Es gibt, um Texte zu evozieren
und zum Schreiben motivieren
zwei Features, die man nutzen könnte,
hilft Leser_innen und der Ente.
Das eine: RSS-Feed-Abos: da sieht man, wenn was gepostet werden sollt,
das andre: ein flattr-button. da kann man spenden, damit der Rubel rollt)

Mit Dank und neuen Energien
flatter ich mal vor mich hin.

Ist mir der Himmel viel zu grau
les' ich kurz Robert Gernhardt.
Fließt mir die Donau mal zu blau
greif ich zu Thomas Bernhard.

krank

Zwischenwetter kalt, dann warm, dann kalt.
Ich ernähr' mich richtig, mach Sport
und trotzdem sieht mein Immunsystem alt
aus.
Sobald so viel ich husten muss dass an
der Tür der Hausmeister klopft, mahnt,
dass ich keinen Hund halten kann,
der bellt,
koche ich Tee, Gallonen von Sorten,
schüttle mich frostig durch Tag und Nacht
kuschle an Heizkörpererwärmten Orten
die Decke.
Wie geht's Jungs, kommt ihr mit dem Virus zurecht?
Ich frage rhethorisch, ich weiß die Antwort.
Ihr macht euren Job gar nicht schlecht
aber nicht gut.
Schlaf? Nein, Filme ansehen, das geht
aber schlafen? Wie denn. Ich huste
mich wach, bis meine Lunge versteht
ich will sie nicht mehr.
Serien, Filme, das geht grad. Auch nachts um vier
zwischen Ruhe und Stress kommt langsam Rhythmus
zögerlich erst, später klar
von Wach sein und Schlafen in mir
zu-
rück.

Amsel

Gewitter dröhnt
verbittert stöhnt
die Amsel ihr Lied
allein

Einsamkeit plagt
bis ihr versagt
die Stimme das Lied
allein

Will niemand sie stören,
will keiner erhören
singt Amsel das Lied
allein

Sie flöge fort
doch am nächsten Ort
Gewitter auch zieht
herein

So fröhlich sie singt
ihr Ruf verklingt
hört niemand das Lied?
So ein

Mist.

blasphemische Saint-Exupéry-Variationen

Man spült nur mit dem Herzen Blut,
dem Rest ist die Niere undankbar.

Man spürt sehr, wenn es schmerzen tut,
manchmal ist's für Ärzte unrichtbar.

Man setzt nur Wasser auf den Sud,
Kakao macht Kaffee untrinkbar.

Man sieht bei Kerzen nicht sehr gut,
elektrisch Licht stellt klarer dar.

Die Henne schauderts vor der Brut,
letztendlich sie das Ei gebar.

Es klingen nur Quart und Terzen gut
Sekund und Septim sind schwierigar.

Man kann nicht so viel variieren,
wie man kotzen sollte.

Aphorismen zu veganer Ernährung.

Mandelmilch in den Kaffee
macht den Tag viel süßer
gegen Nervtötungen zäh
entlarvt sie den Genießer

Dieser Schuss von Marzipan–
wenngleich er auch im Wasser flockt–
hilft, ich glaube fest daran,
dass den Tag man nicht verbockt.



Warum vegan? Ist das so schwer?
Wer Tiere isst, hat keine mehr.



es verzichten lang aufs schnitzel
zwei vgt-kritische spitzel.
fand man trotzdem keine spuren
geht der akt halt flugs verluren.


selbst wenn das gutachten wär' wahr
sind seine haare sonderbar.
troll! schreit lauthals die frisur.
troll! schreit auch der inhalt nur.


wer sagt dem vielentäuschten kind
dass zuspätkommen und genervt sein
keine tugenden sind?


ich bin vergesslich
deshalb schrieb ichs auf
und falls es so war
verweise ich drauf



Pflanzenmilch, das wissen schon Kinder,
schützt Ziegen, Schafe und auch Rinder.



Goldgräberautor_innen

Am Ende ist die Seite voll
und nichts davon findet man toll.
Man blättert um und hofft darin
dass doch die nächste mache Sinn.
Ist das Notizbuch vollgeschmiert
gilt's hoffen, dass man sich nicht geniert.
Wie gut hat's da die Malerei:
ist was ein Scheiß, dann sieht mans glei'.
Ein Notizbuch muss man durchbeackern
auf Suche nach etwas zum Gackern,
nach Erz in allerhand Müll und Schutt.
Warum macht schreiben so kaputt?

Elfenbeinturmautor_innen

Der Rest von all dem Weltbescheiß…
ist mir schon Recht, wenn ich nichts weiß.
Wofür sollt Zeitung ich lesen
wenn alles immer rechtens gewesen?
Letztendlich bleibt das Nichtverstehen
die Beste Art damit umzugehen.
Doch was mich plagt, die Unwissenheit
ob garnichts zu wissen man auch bereut.

Politikautor_innen, auch Journalist_innen

Frau Doktor, zu Hilfe, komm bitte vorbei
ich benötige heilend Arznei
Frau Doktor, mir geht es tatsächlich beschissen
mich plagt gefährliches Halbwissen.
Ich weiß, zum Beispiel, Politik ist dumm,
Geschäfte von Banken sind immer krumm.
Diese Hälfte hab ich erfasst
als Trost dient mir nur,
dass mir dass auch schon passt.

Die Nachbarin spielt nun auch Geige…

Die Nachbarin spielt nun auch Geige,
übt fleißig, es ist zu beneiden.
Nie geht die Ausdauer zu Neige,
nur das Ergebnis bleibt bescheiden.
Hätte ein Esel einst verkehrt
mit einem Alpendrachen
und hätte diese Union beschert
den beiden Kinderlachen
und würde dieses Fabelkind
zur Schlachtbank nun man treiben
und schrie es Feuer in den Wind
dass lieber's würd am Leben bleiben:
Was wär's für Urlaub für die Ohren
nach aller Penetration!
Der Antichrist schreit, neugeboren,
aus Angst vor ihrem Ton.

sehnsüchtige betrachtungen, unerfüllbar weil zu spät.

Wie schön wär doch die Welt, wär Muse nach Album zwei verendet!
Dann hätt ich nie mein Geld und Ohr für diesen Müll verschwendet.
Die Absolution war ja noch betrunken zu ertragen,
mit ihrem Kitsch und Wagner-Wahn bekams dem Teenagermagen.
Doch dann mit diesem Album vier verließ Muse ihre Muse.
Bei diesem Epik-Boygroup-Scheiß juckts nichts in keiner Bluse.
Ich versteh dass ein Album manchmal nur Geld bringen soll —
wer zehrt gern noch drei Jahre uninspiriert vom Gema-Zoll —
Doch wenn selbst der Teufel nach dem Mastern in Stille den Vertrag verbrennt
und sich schämt wenn auf der Straße ihm man vorwirft, dass er Muse doch kennt
Ja scheiße! was kann dann schon werden, mit Alk und brachem Talent:
ganz einfach: Black Holes und Revelations: wo eine Muse Hexen verbrennt.

minecraft

block of block on sand and stone
earthly burried hidden ore
nightly saddened by the tone
as the rock my heart too tore
set you, sun, below the water
torches light my cavern wide
give to me your pretty daughter
diamond, gold and glooming bright.
picking through the dust of ages
mining rock and kilobyte
below in depth the lava rages
beauty of the pixeled sight.
rising 'bove the higher ground
climbing mountains, chopping wood,
suddenly, behind me, sound
hissing greenly mobs afoot!
fly against such foe, my arrow,
closing in on my location!
but too late, the gap too narrow
loudly comes the detonation!

silence, night was lost to bombings
respawned me so far away
hurry! must find my belongings
before, as i did, they decay.
digging, deeply to the ore
through the rock and stone
never seen a dinosaur
not even a turkey bone!
hours spent i days
beneath the surface?
crawling through a maze
i built a second furnace.
with unresting pace
i melt the kinds of ore
return to my improptu base
as soon the stack hits sixty-four.

light, my torch, the way
back to my homely hood,
built for eternity in clay
and sturdy doors of wood.
up, as high as i can jump
which isn't just so high
placing earth with heavy *thump*
i shall reach the surface nigh,
neatly calculated hollow
filled with gravel, earth and coal
lost my compass, only follow
to the surface by my soul.
rising block by block
back to the cows and trees
and pigs and my sheeply flock
to clouds and pixeled breeze!

sand! what precious sign!
the digging soon be done,
but no! i dug beneath the sea,
my cavern flooded by the water
i never may return to thee.
the sun now sets and kissed
the mountain, far away
saddened i feel, also pissed
a mine was lost today
to an ever evil wave.
to find my home i build a raft
the press escape to save,
the night is young, this place a draft
of mines i've yet to craft.




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minecraft by deus ex macchiato is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported License.
Based on a work at www.minecraft.net.

Stoßgebet nach Liveberichtverfolgung aus Wr Neustadt

Der Häuser Berge nun geglättet
der Straßen Wogen Trümmern gleich
in Waldesruh die Welt sich bettet
des Menschen Werk der Freude weicht
Hier und dort fliegen, manche stehen,
Tiere, hausend in dem Müll
kein Stolz beflecket ihre Zehen
ihr Treiben bremst kein Angstgefühl
So unbesorgt wie ewig nicht
seit dem zahm gehalten Feuer
weist die Natur die Welt zu Recht
beansprucht ihr entrissen Steuer.
Die Ewigkeit dem Mensch verzeih,
die Welt doch ist von ihm nun frei.

Der liebende Vater dem Sohn 3

Wir glauben's dir, es geht dir schlecht
und keine Müh' wird dir gerecht
drum bitte, sei ein artig Kind
und ziehe weiter mit dem Wind.

Das Jahr

Die Monate verflogen
flossen durch gespreizte Hände,
sanken in den Tageswogen
stetig floss das Jahr zum Ende.
Zurückgelassen alte Liebe
neue Triebe dringen vor
durch den Schutt des Jahres biege
Wurzelwerk sich stark empor
Neues Jahr und alte Lasten
krümmen neuen Tatendrang,
laden ewig ein zu rasten,
bis dicker Frauen Lied verklang.
Fließe Jahr, durch Erd' und Stein
die zwölf Gesellen bersten,
lass die Wochen nur herein,
die Tage zieh'n am schwersten.

Nasse Schuhe

Dass Wintereinkauf nerven kann,
vor allem in der Weihnachtszeit,
wurde ja schon ausgeführt
und ist wohl klar, jedem soweit.
Was jedoch auch sehr störend ist
und nicht zu ignorieren:
ungeeignet ist manch Schuhwerk
um Winters nicht zu frieren.
Schlimmer noch als tote Zehen
- nagut, das ist wohl übertrieben -
ist's, mit nassem Fuß zu gehen
wenn der Schuh nicht dicht geblieben.
Wenn mit jedem nächsten Schritt
die kalte Suppe tiefer zieht
gleichen Socken nach dem Tritt
Kamelen im Oasengebiet:
vollgesogen für die Reise.
Schrittens grauslich, schrittens nass,
watet man auf diese Weise
durch den adventösen Trubel
mit erst recht verzücktem Jubel.

Weihnachtslieder

Jedes Jahr aufs Neue wieder
spielt es zuviel Weihnachtslieder
Nein, es gibt gar kein Entkommen
jede Sphär' wird eingenommen
von gar schrecklichem Gedudel,
es geht schon mächtig auf die Nudel!
Am liebsten wäre man doch taube,
oder hätt' im Kopf ne Schraube
durch ein Bolzenschussgerät
falls das reversibel geht.
Fensterspringen wird genehm,
wenn Weihnachtslieder Runden dreh'n.
Geht doch endlich alle scheißen
mit euren salbungsvollen Weisen,
springt auf einem Eislaufteich
bis das Knacken euch erreicht.
Werft euch doch in einen Fluss
ertrinkt, erfriert, was sein muss, muss.
Euer kompostiert Gespiel'
komplettiert mein Wutgefühl.
Als wäre nur die Weihnachtszeit
der Platz für die Verlogenheit.
Als wär der Rest vom ganzen Jahr
ja wirklich doch so wunderbar
dass nun am Ende vom Kalender
man Schrott dürft stopfen durch die Sender,
Setzt drum dies Jahr ein großes Signal
spart uns der Hölle Widerhall,
stoppt die Weihnachtsliederqual
ein- und ja, für allemal.


Die Mär vom Weihnachtssuizid
hat hierin ihren wahren Kern:
nach vierundzwanzig Foltertagen
kann den Scheiß keiner mehr hör'n.

(c) 2008ff
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